Wie viel soll, darf oder muss ich mich aufregen?

Die ganze Woche gingen mir zwei Themen durch den Kopf, über die ich bloggen will, zum Teil schon angefangen habe zu schreiben. Ich jonglierte Absätze im Kopf herum, dachte über passende Fotos nach, und als es dann losgehen sollte, gestern, war beides vergessen und ich hatte nur noch eine Frage im Kopf:

Wie politisch bzw wie unpolitisch darf man heutzutage eigentlich sein?

Bei diesem Kasperltheater in Berlin, wo hoch qualifizierte, hoch bezahlte Menschen seit Monaten versuchen eine Regierung zu bilden, dabei völlig überfordert scheinen, und jedes neue Ergebnis einen nur noch mehr Kopf schütteln lässt. Dieser kopflose Haufen soll Verantwortung übernehmen, unser Land regieren? Mit denen soll alles besser werden?

Und merken die eigentlich, welchen Mist sie produzieren, und dass sie mit jedem Wort und jedem Schritt ihr Land noch mehr verärgern und damit provozieren, dass die Afd bei der nächsten Wahl noch mehr Stimmen bekommt? Die ist alles andere als eine Alternative, aber mit diesem Kasperltheater kann es doch nicht weitergehen?

Und als ob dieser Artikel nicht schon genug Fragezeichen hätte, frage ich mich, was wir BürgerInnen tun sollten, und wir BloggerInnen. Dürfen wir uns aufregen? Sollten wir uns mehr aufregen? Oder MÜSSEN wir nicht alle viel politischer sein und uns aufregen und einmischen?

Oder hat es eh keinen Zweck und wir verwenden unsere Energie und die knappe Zeit lieber dafür, vor der eigenen Türe zu kehren. Die eigenen Probleme zu bewältigen, in unserer kleinen Blase für Friede und Ordnung und Verbesserung sorgen, uns selbst etwas Gutes tun, an die kleinen Dinge denken, den Kleinscheiß.

Wie viel Platz bleibt da noch fürs große Aufregen?

Der Auslöser für die Gedanken und den Artikel war eine kostenlose Zeitschrift, die an vielen Stellen im Chiemgau ausliegt. Ludwig. In der aktuellen Ausgabe gibt es einen ganzseitigen Artikel über das bevorstehende Konzert der südtiroler Band Frei.Wild in München. Und eine ganzseitige Anzeige. Klar, wer eine Anzeige bezahlt, über den wird auch berichtet, die Zeitschrift muss sich ja finanzieren.

Und dann wurde die Band auch noch auf der Titelseite angekündigt.

Eine Band, die einen Wikipedia Eintrag hat, in dem vor allem diskutiert wird, ob die Band nun rechtsradikal ist oder nicht.

Auf der Titelseite. Ich finde das schlimm.

Muss so eine Band auf eine Titelseite? Ist das nicht Verharmlosung, ist das nicht Gesellschaftsfähig-Macherei von rechtsradikalen Gedanken? Wenn der Ludwig drüber schreibt, kann es ja nicht so schlimm sein?

Und: wie sehr sollte ich mich drüber aufregen? Oder muss ich mich aufregen? Reicht es, die Zeitschrift einfach in den Kachelofen werfen und beim nächsten Mal nicht mehr mitzunehmen? Ruckzuck sind über 400 Wörter dazu geschrieben. Ist das genug?

Sollte ich mich mehr damit beschäftigen, oder gehe ich die Spülmaschine ausräumen, schaue ich Olympia, lege ich eine Yoga DVD ein, mache ich die Steuererklärung?

Ich mache ein Bier auf und starre den Laptop an.

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