Wie man in schwierigen Zeiten spontan eine Fernreise plant – und warum es jetzt wichtig ist, auf Reisen zu gehen.

Spontan nach Malaysia reisen… wer macht denn so was?!

Tagelang wirbelten Sorge und Vorfreude, Zuversicht und Vorsicht durch meinen Kopf, dann entschied ich: ich möchte nicht auf Bali sein, wenn der Gunung Agung ausbricht. Möchte vorher nicht ständig überlegen müssen, ob und wie ich von einem Ausflug im Falle des Falles wieder wegkommen würde. Urlaub absagen kam nicht in Frage, also musste spontan ein anderes Reiseziel her.

Dabei war die Vorfreude auf Bali doch schon so groß. Da waren Unterkünfte gebucht, Yogastudios vorgemerkt und Fahrrad Touren, der Transfer vom Flughafen organisiert und in Gedanken waren in jede Menge tolle Cafés Tische für mich reserviert.

Neben dieser Vorfreude kam Zeitmangel. An der Arbeit war noch so viel zu tun, im Privaten auch, ich hatte mich zu einer Blogger Konferenz angemeldet und der Tag vor dem Abflug war auch noch Feiertag, also (eigentlich) keine Möglichkeit Last Minute Dinge zu erledigen. Jetzt also noch eine Fernreise neu planen?

Der Vulkan auf Bali war auch noch nicht ausgebrochen, trotz höchster Warnstufe, Evakuierungen und Hunderter kleiner Erdbeben jeden Tag, sogar das Morgenmagazin hatte inzwischen davon berichtet. Und doch, bis heute ist er immer noch nicht ausgebrochen, von den Touren auf eben den Vulkan abgesehen scheinen Reisen nach Bali völlig normal zu sein.

Nach langen Überlegungen und Recherchieren und Abwägen traf ich eine Woche vor Abflug die Entscheidung, den Flug umzubuchen.

Die Wahl an Flugzielen war etwas eingeschränkt durch die Ziele, die die Fluggesellschaft überhaupt anfliegt. Und theoretisch will ich eh überall hin.

Es wurde dann Malaysia. Obwohl ich kaum etwas über das Land wusste. Aber es erfüllte einige Faktoren (siehe nachfolgende Punkte) und schien mir gut geeignet für eine exotische Reise ohne allzu große Vorbereitung.

Es ist anders als lange Vorausplanung aber kein Hexenwerk, wer unter Zeitdruck eine Fernreise buchen will, dem seien folgende Schritte empfohlen:

1.Zwei Dinge klären: Einreise und Gesundheit.

Braucht man ein Visum? Braucht man Impfungen? Kurzfristig ist beides meistens unmöglich oder extrem kosten- und/oder zeitaufwändig. Deswegen sollte eine spontane Reise in ein Land gehen, wo man kein Visum braucht und keine Impfungen, bzw. wo man alle Impfungen eh hat.

2.Die aktuelle Lage.

Zum einen das Wetter am Reiseziel: startet gerade die Regenzeit? Ist gerade ein Hurrikan durchgezogen? Oder bestehen Warnungen für ja Vulkanausbrüche? Ist gerade ein hoher Feiertag und damit alles ausgebucht? Und dann natürlich das politische. Wo brodelt es gerade, wovor wird gewarnt?

Beide Punkte lassen sich gut über unser Auswärtiges Amt klären. Ohne Panikmache, ohne Verharmlosung versucht man da die Lage für Reisende einzuschätzen.

Andere Infos bieten spezielle Facebook Gruppen, ins zu Bali ist mir das aufgefallen. Einschätzungen zur Lage von Einheimischen, von Expats, von anderen Reisenden, und das oft bevor es in den deutschen Medien oder beim AA auftaucht.

In jedem Fall ist es hilfreich, sich selbst und Reisezeit /Reiseziel bei elefand zu registrieren. Die Auslandsvertretungen Deutschlands sind damit informiert, welche Staatsbürger sich gerade in ihrem Gebiet aufhalten, wen sie im Falle eines Falles kontaktieren, suchen, unterstützen, rausholen müssen. Die Registrierung ist schnell gemacht und beruhigt. Auch die Daheimbleibenden, die sich vermutlich weniger Informationen einholen und besorgt sind.

3. Praktische Reisevorbereitung

Wie viel Vorbereitung braucht eine Reise in das Land? Oktober wäre theoretisch ein perfekter Monat gewesen um nach Nepal zu fahren. Aber spontan eine Trekking Tour aussuchen, einen Guide finden bzw eine Gruppe, der man sich anschließen kann? Um welche Uhrzeit kommt man an, fährt man vom Flughafen nur ein paar km “in die Stadt” oder geht es direkt einen größeren Sprung weiter?

Kann man sich an der ersten Station der Reise leicht orientieren, sich akklimatisieren, den Jetlag durchleiden, sich mit dem Reiseführer hinsetzen und die kommenden Reisetage in Ruhe planen? Es gibt einfache Start-Städte, wie etwa Kuala Lumpur, und es gibt schwierige Start-Städte, wie (vermutlich) Jakarta auf Java, der Nachbarinsel von Bali, die einen gleich ganz anders fordern und überfordern als eine “westliche” Stadt, wo man englisch spricht, das Hotel WLAN hat und wo man, z.B. in den Sesseln einer ruhigen klimatisierten Filiale einer internationalen Kaffeehaus-Kette, einfach mal ankommen kann.

Gerade bei spontanen Reisen hilft dann auch , den guten alten Lonely Planet Reiseführer zu besorgen. Wegen Hotel- oder Restaurant-Empfehlungen brauche ich einen Lonely Planet heutzutage nicht (mehr), Unterkünfte buche ich eine Station vorher über Air BnB oder Booking.com. Aber für die Landkarten und Stadtpläne, für die Informationen wie man von A nach B kommt und wie vom Flughafen/ Busbahnhof in die Innenstadt sowie was da ein Taxi kostet/ kosten sollte, da ist der LP sehr nützlich. Auch der Abschnitt zur Geschichte, zur Gesellschaft und Politik, Kultur und Besonderheiten des Landes fasst gut die Hintergründe zusammen, die dir helfen, wenn du dich Hals über Kopf in ein unbekanntes Land stürzt.

4. Immer mit der Ruhe

Wer spontan reist, wird vermutlich nicht “alles wichtige sehen”, eventuell wird nicht alles am Reiseziel 100% klappen. manche Dinge bekommt man einfach nicht mit, andere sind ausgebucht, wieder andere passen nicht zur kurzfristig gebastelten Route. Entspannt sehen. Die Reise genießen und gerne auch mal einfach einen Nachmittag im Park, im Café mit einem Buch verbringen. Tipp: passende Reiserouten Googlen, z.B. “2 Wochen in Malaysia”. Man findet dadurch viele Tourenvorschläge, bekommt ein Gefühl für Entfernungen, hört von Highlights und Geimtipps.

Reiseplanung im Herbst 2017

Sich für ein Reiseziel entscheiden, das ist dieser Tage wirklich nicht einfach. Wenn man sich unter Malaysia Reisenden umhört, dann sind zwar alle happy hier, aber es scheint bei kaum jemandem 1. Wahl gewesen zu sein.

Aber nach Südkorea kann man sich nicht trauen, ist viel zu nah an Nordkorea. Madagaskar? Die Pest. Thailand? Der alte König Bhumibol Adulyadej starb am 13. Oktober 2016, die einjährige Trauerperiode ist nun bald vorbei, während der Beisetzungszeremonie Ende Oktober ist viel gesperrt und geschlossen, Reisen wird sogar in Thailand schwierig. Myanmar? Laut Außenministerium “bewaffnete Konflikte zwischen Rebellenarmeen und dem myanmarischen Militär […]. Viele Menschen sind auf der Flucht”. Vulkane geben Warnsignale nicht nur auf Bali sondern auch in Mexiko, Alaska, Kamtschatka, auf Hawaii und Vanuatu. In Japan ist schon einer ausgebrochen, auf der Kanareninsel La Palma gab es gerade ein Erdbeben. Die USA fallen bei vielen gerade auch als Reiseziel aus.

Klar, in gewisser Weise sind es Luxusprobleme. Es gibt so viele Ziele, an die man relativ sicher reisen kann, und totale Sicherheit hat man eh nirgends. Wie antwortete eine Busmitfahrerin auf meine Aussage “Zuhause bleiben ist auch keine Option” so schön – “hallo, ich wohne in London!”

Die Wichtigkeit des Reisens 2017

Ich halte das Reisen gerade in der heutige Zeit für so wichtig.

Um Gastfreundschaft in der Fremde zu erleben und frohe gemeinsame Erlebnisse mit gerade noch völlig unbekannten Menschen, wegen des Vertrauens, das man Taxifahrern, Leuten im Ho(s)tel, Leuten auf der Straße entgegenbringen muss. Der Reiz des Unbekannten. Die fast immer positiven Erfahrungen und Überraschungen unterwegs. Letztendlich egal in welchem Land.

Nur, vielleicht ist gerade jetzt Malaysia das beste Reiseziel überhaupt. Moscheen, Hindu-Tempel, buddhistische und chinesische Tempel, ein paar christliche Kirchen – alles steht hier friedlich nebeneinander. Krass verschleierte Frauen gehen neben solchen mit freien Schultern und kurzen Röckchen. Und es funktioniert, größtenteils. Es gibt so viele Arten von gutem Essen, eben durch das Zusammenkommen so vieler Kulturen über lange Zeit. Ob da viel verschmilzt oder ob es mehr ein Nebeneinander ist, mag ich nicht zu beurteilen (wohl eher letzteres). Aber es ist wunderschön, spontan und ungeplant durch Malaysia zu reisen!

{Fotos zu diesem Artikel wird es später geben, wenn Kamera und Handy irgendwann ihre Schätze einem großen Bildschirm freigeben. Bis dahin: auf Instagram gibt’s ständig aktuelle Bilder und Stories aus Malaysia.}

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