gebrauchsanweisungen für cuba (5)

jetzt, wo der bewichtelte seine zigarre ausgepackt hat, kann ich endlich über den besuch der zigarrenfabrik in havanna erzählen.

eigentlich wollte ich gerne eine in santa clara besuchen, das hat aber nicht geklappt und so ging es dann doch noch kurz vor der heimreise in die Real Fábrica de Tabacos Partagás, gleich hinterm capitolio. und da zeigte sich plötzlich, dass die cubaner das doch können mit dem kapitalismus. ein ort, wo alle touristen hinwollen? also nehmen wir ihnen viel geld ab und geben ihnen eine führung von einer hübschen cubanerin, die perfekt englisch spricht und böse witze über amerika macht.

fotos darf keiner machen. die gruppe muss zusammen bleiben. ein bisschen wie im zoo läuft man an den arbeitern vorbei, die den ganzen tag nichts anderes machen als entweder tabakblätter sortieren oder präparieren oder diese zu zigarren rollen oder die fertigen in schmucke holzkästchen packen. manche leute nennen sich qualitätskontrolle, die machen aber den ganzen tag nichts. außer zigarren rauchen, denn die arbeiter dürfen rauchen so viel sie wollen- die meisten haben aber gar keine zeit zu rauchen. sie dürfen auch jeder eine gewisse menge mit nach hause nehmen. bare, harte währung, denn die zigarren können sie direkt vor der fabrik an touristen verkaufen.

sehr faszinierend das ganze, auch für nichtraucher. schon ein spezieller job irgendwie. zu wissen, dass jemand später 100e von euro für ein paar tabakblätter bezahlen wird, nur um sie dann zu verbrennen!

pinar del rio

auch hier – absatzschwierigkeiten- in europa ist überall rauchverbot, deswegen wird weniger verkauft, und in der wirtschaftskrise verzichtet der eine oder andere banker dann doch mal und raucht schnöde zigaretten. dadurch sind zurzeit auch weniger schüler in der fabrikeigenen zigarrenrollschule.

am tollsten fand ich den vorleser. damit die monotone arbeit aufgelockert wird, gibt es einen mitarbeiter, der seit über 20 jahren am selben tisch vor einem mikrofon sitzt und vorliest. morgens erst mal die zeitung (natürlich die granma, viele andere gibt es auch gar nicht in cuba), später gibt es ein hörspiel im radio, nachmittags liest der vorleser bücher vor. und warum heißen berühmte zigarren monte cristo oder romeo & julieta? natürlich weil der vorleser den grafen von monte christo und romeo & julia vorgelesen hat!

ein besuch in einer zigarrenfabrik gehört zur cuba-reise auf jeden fall dazu, das ist schon was besonderes. auch wenn man zum beispiel in hagen im freilichtmuseum auch einem zigarrenroller zusehen kann. es ist schon was anderes.

auf dem foto übrigens sieht man mich übrigens in einem tabakfeld, bei pinar del rio. ich habe mir das unterwegs mal näher angesehen, der fotograf S. war etwas langsam und so sieht es irgenwie aus, als würde ich vor irgendetwas davon rennen. nein nein, ich wollte nur gucken.

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