Experiment ÖPNV- gescheitert

Ich habe mich bemüht und ich war lange Zeit tapfer. Habe U-Bahn-Nummern und Abfahrtszeiten vom Schienenersatzverkehr auswendig gelernt. Hatte immer ein Buch zum Lesen und Kopfhörer zum Musik hören dabei. Habe in 4 1/2 Monaten nur 1 Mal Geldbeutel samt Monatskarte zu Haus liegen lassen. Habe immer neue Kombi-Möglichkeiten gesucht, einen Teil des Wegs zur Arbeit mit dem Fahrrad und den Rest mit ÖPNV zurückzulegen. Wurde in 4 1/2 Monaten nie kontrolliert. Nie. Habe ab dem 2. Monat schon ein paar Tage vor Monatsende die neue Monatskarte gekauft, um nicht am 31. in der Schlange stehen zu müssen.

Um CO2 zu sparen. Mir einredend, dass es zwar mit dem Auto doppelt so schnell geht, aber dass das ja nichts macht. Das Parkplatzsuche viel zu anstrengend ist (ist es vielleicht in Düsseldorf-Zoo, aber nicht in München-Pasing). Um auf dem Weg zur Arbeit was zu arbeiten oder die Zeit zum Lesen zu nutzen oder anderweitig sinnvoll.

Das Experiment ÖPNV ist vorbei. Ich habe keine Lust mehr.

Oder sagen wir es ist ausgesetzt, so lange meine Wohnung so weit von meiner Arbeit entfernt ist. Im Einzelfall (z.B. Wohnung-> Odeonsplatz -> Wohnung) werde ich weiter Bahn fahren. Oder um in die Berge zu kommen. Oder 1 mal die Woche doch zur Arbeit, wenn ich so guter Laune bin, dass mich 2 x 60 Minuten ÖPNV nicht erschüttern können.

Aber sonst steige ich wieder um auf Auto und Fahrrad!

Ich habe genug von schreienden Kindern zu Feierabend, pinkelnden Hunden, besoffenen Teenagern, die mit Deo den Bus voll sprühen. Stinkende Menschen und solche, die 20 Minuten auf russisch (oder jede andere Sprache…) in ihr Handy brüllen. Genug von Verspätungen, Ausfällen, nassen Hintern wegen auf den Sitzen liegenden Regenschirmen, nicht enden wollende Busfahrten durch unbekannte Wohngebiet, den Anschlussbus munter losfahren sehen, während man gerade aus dem vorherigen aussteigt, der 20 Sek zu spät an der Haltestelle angekommen ist. Abends 18 Minuten an der Münchner Freiheit warten, bis die nächste Tram kommt. Auf einer Strecke, die mit dem Auto 10 Minuten dauert, 3 mal umsteigen müssen und jedes Mal dazwischen 9 Minuten warten.

Meine Nerven haben keine Lust auf so was, diese Art Stress brauche ich nicht. Stau ist nicht so schlimm. Geld für die Tiefgarage investiere ich gerne. Ich war mein Leben lang Nichtraucher und habe deswegen Puffer in der privaten Ökobilanz. Ich bin viel entspannter und zufriedener an den Tagen, an denen ich mit dem Auto zur Arbeit fahren. Die Tür hinter mir zu machen kann und meine Ruhe habe.

Für mich und meine Mitmenschen ist es besser, wenn ich nicht mehr Bus und Bahn fahre.

Glaubt mir.

4 Gedanken zu „Experiment ÖPNV- gescheitert&8220;

  1. Schade, dass Du Dein Experiment als gescheitert ansiehst. Aber ich kann Dich verstehen. Der ÖPNV muss attraktiver gemacht werden, damit mehr Menschen das Auto stehen lassen und mit Bus und Bahn in die City fahren.

    Die Vorteile hast Du ja auch dargestellt: Weniger CO2-Ausstoß, kein Stress mit der Parkplatzsuche. Aber die Nachteile wiegen natürlich auch: Schlecht abgestimmte Taktzeiten und Anschlüsse, Ausgedünnte oder eingestellte Linien in den Abendstunden und am Wochenende sind Punkte, da müssen die Verkehrsbetriebe dran arbeiten.

    Gegen die „lieben Mitmenschen“, die einen in Bus und Bahn begleiten, sind aber auch die Verkehrsbetriebe weitgehend machtlos. Solange die nicht pöbeln oder andere Fahrgäste belästigen, werden die auch nicht rausgeschmissen.

    Aber sagt Dir „Mumble“ was? das ist ein Konferenz-Server mit Sprachübertragung, der hauptsächlich von Online-Spielern verwendet wird. Die Piratenpartei betreibt selbst mehrere dieser Server für die politische Zusammenarbeit über Räumliche Grenzen hinweg. Sonntags Abends um 20:00 trifft sich dort die AG Bauen und Verkehr, der auch ich angehöre. Wenn Du Interesse hast, melde Dich mal, dann können wir Deine Erfahrungen gerne in der AG besprechen, und da sicher auch den ein oder anderen Punkt für die ToDo-Liste rausnehmen.

  2. Wenn ich das so lese denke ich das sich München auch nicht so sehr von Düsseldorf unterscheidet. Und das wo München doch so einen tollen ÖPNV haben soll und hier alles noch etwas im argen liegt.
    Denn auch hier fährt der Anschlussbuss ungefähr 30 Sekunden vor eintreffen der Straßenbahn los. Schön wenn man ihn morgens durch das Fenster des Fahrers um die Ecke biegen sieht. Abends ebenso, nur anders herum. Der Bus fährt um die Ecke an die Haltestelle, die Bahn bis zur Ecke direkt hinter ihm und um die Bahn (dann doch nicht) zu erreichen muss man aus dem Bus sprinten, über die rote Fußgängerampel mit dem wilden gradeaus-Verkehr rennen um dann zu sehen wie 2 Sekunden bevor man den Türöffnungsknopf drückt das grüne Lichtlein ausgeht.
    Ich muss zum Glück nur einmal umsteigen. Allerdings wird sich das mit dem Umzug meiner Arbeitsstelle im nächsten Jahr wohl wieder ändern. Dann habe ich die Wahl nach dem Aussteigen anstatt 400 Meter knapp 2,5 km laufen zu dürfen oder alles um zuplanen und reichlich viel länger unterwegs sein zu dürfen.
    Der Anschluss an den neuen Standort soll dann übrigens frühestens 2015 erfolge. Eher bekommt unser nettes Verkehrsunternehmen das wohl nicht hin.

    Wie ist das bei Dir denn mit dem Benzinverbrauch gegenüber der Monatskarte? Rechnet sich das auch noch?

    @Markus: Gilt die ToDO-Liste landesweit oder nur für München?

  3. @Markus ich glaube an der persönlichen Abneigung können die Piraten auch nichts ändern- und höchstens richtig viel Geld in mehr Bahnen, mehr Fahrer, mehr Schienen stecken. Mehr Geld wird aber überall und für so vieles gebraucht…
    @Blui wo zieht deine Firma denn hin? Die Kosten für Benzin und Parkgebühren und ob ich mir weiterhin eine Monatskarte hole, das muss ich mal durchrechnen. Und die Kosten für einen Nervenarzt dann dagegenrechnen ;-)

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