Blütenstaub

Wenn ich am Sonntag auf die Woche zurückblicke, überlege was gut und bemerkenswert war, was nervig und verbesserungswürdig, wenn ich überlege, was so erinnerungswürdig ist, dass ich darüber bloggen möchte, dann gibt es zwei Varianten dieser Version. Entweder es gibt ein Thema, das mir sofort in den Sinn kommt, das ich vielleicht die ganze Woche in Gedanken durchgekaut habe. Oder es ist so, dass es viele klein Ideen gibt, die ich versuche unter einen Oberbegriff zu bringen, oder ich wähle das Thema, das voraussichtlich am leichtesten zu Schreiben ist.

Diese Woche ist letzteres der Fall, und das Thema – der Blütenstaub – war das Vorherrschende im Chiemgau in dieser Woche. Schwaden und Wolken von gelbem Blütenstaub ziehen durch die Täler, er setzt sich überall und ständig ab. Auf einem Tablet, während man Blogartikel schreibt, in Ritzen am Fensterrahmen, auf Autodächern, auf anderen Blumen auf der Terrasse, auf dem Boden nimmt man ihn mit den Schuhen auf und trägt ihn in die Wohnung und verteilt ihn überall.

In den letzten Tagen ist noch eine zweite Wolke dazu gekommen, die Wolken der Löwenzahn Samen. Weiß und größer als der gelbe Staub, die weißen Wolken stören mehr, wenn man durch sie hindurchläuft, die gelben nerven mehr, weil man ständig putzen muss. Oder glaubt putzen zu müssen, doch wer putzt Fenster, wenn sie eine Stunde später eh wieder eine gelbe Schicht tragen.

Es ist eine wahre Sisyphusarbeit, Stühle auf der Terrasse wische ich derzeit jedes Mal vorm Hinsetzen ab, sonst klebt alles am T-Shirt. Über das iPad, mit dem ich diesen Artikel tippe, habe ich während des Schreibens schon mehrfach gewischt, aber es hilft nicht lange. Es ist eine Geduldsprobe.

Es bräuchte mal wieder einen Tag eine Nacht Regen, aber bei dem genialen Frühlingswetter diesen April mag man diesen Wunsch nicht laut aussprechen. Sondern ich nehme lieber den Lappen und wische die Kaffeetasse aus, bevor ich sie wieder befülle, um weitere Gedanken zu Papier und iPad zu bringen.

Und so kommt es, dass die winzig kleinen Blütenstaubkörnchen das größte Thema der Woche geworden sind. Hinter dem die vermeintlich Großen einfach verblassen.

PS: Über das Blühen an sich hätte sich das Schreiben auch gelohnt. Alles scheint gleichzeitig zu blühen, wie der Mensch scheint auch die Natur vor Freude über das Ende des Winters auszuticken. Obstbäume, Flieder, Kastanien, Löwenzahn und Raps, es ist ein Traum, wie farbig und hübsch die Welt gerade ist!

2. PS: Manchmal ist es besser über so ein kleines Ding wie Blütenstaub zu schreiben. Er setzt sich nämlich auch auf die ganzen nervigen Themen, Enttäuschungen, Ärgernisse, bedeckt sie, und irgendwann wischt man sie dann weg. Besser so.