Dezember 07, 2009
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jetzt, wo der bewichtelte seine zigarre ausgepackt hat, kann ich endlich über den besuch der zigarrenfabrik in havanna erzählen.

eigentlich wollte ich gerne eine in santa clara besuchen, das hat aber nicht geklappt und so ging es dann doch noch kurz vor der heimreise in die Real Fábrica de Tabacos Partagás, gleich hinterm capitolio. und da zeigte sich plötzlich, dass die cubaner das doch können mit dem kapitalismus. ein ort, wo alle touristen hinwollen? also nehmen wir ihnen viel geld ab und geben ihnen eine führung von einer hübschen cubanerin, die perfekt englisch spricht und böse witze über amerika macht.

fotos darf keiner machen. die gruppe muss zusammen bleiben. ein bisschen wie im zoo läuft man an den arbeitern vorbei, die den ganzen tag nichts anderes machen als entweder tabakblätter sortieren oder präparieren oder diese zu zigarren rollen oder die fertigen in schmucke holzkästchen packen. manche leute nennen sich qualitätskontrolle, die machen aber den ganzen tag nichts. außer zigarren rauchen, denn die arbeiter dürfen rauchen so viel sie wollen- die meisten haben aber gar keine zeit zu rauchen. sie dürfen auch jeder eine gewisse menge mit nach hause nehmen. bare, harte währung, denn die zigarren können sie direkt vor der fabrik an touristen verkaufen.

sehr faszinierend das ganze, auch für nichtraucher. schon ein spezieller job irgendwie. zu wissen, dass jemand später 100e von euro für ein paar tabakblätter bezahlen wird, nur um sie dann zu verbrennen!

pinar del rio

auch hier – absatzschwierigkeiten- in europa ist überall rauchverbot, deswegen wird weniger verkauft, und in der wirtschaftskrise verzichtet der eine oder andere banker dann doch mal und raucht schnöde zigaretten. dadurch sind zurzeit auch weniger schüler in der fabrikeigenen zigarrenrollschule.

am tollsten fand ich den vorleser. damit die monotone arbeit aufgelockert wird, gibt es einen mitarbeiter, der seit über 20 jahren am selben tisch vor einem mikrofon sitzt und vorliest. morgens erst mal die zeitung (natürlich die granma, viele andere gibt es auch gar nicht in cuba), später gibt es ein hörspiel im radio, nachmittags liest der vorleser bücher vor. und warum heißen berühmte zigarren monte cristo oder romeo & julieta? natürlich weil der vorleser den grafen von monte christo und romeo & julia vorgelesen hat!

ein besuch in einer zigarrenfabrik gehört zur cuba-reise auf jeden fall dazu, das ist schon was besonderes. auch wenn man zum beispiel in hagen im freilichtmuseum auch einem zigarrenroller zusehen kann. es ist schon was anderes.

auf dem foto übrigens sieht man mich übrigens in einem tabakfeld, bei pinar del rio. ich habe mir das unterwegs mal näher angesehen, der fotograf S. war etwas langsam und so sieht es irgenwie aus, als würde ich vor irgendetwas davon rennen. nein nein, ich wollte nur gucken.



November 23, 2009
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cuba ist musik! dieses kapitel ist längst überfällig, denn wenn man mit dem buena vista social club im ohr und im hinterkopf nach cuba fährt, dann kann man schon genau so ein cuba finden. nicht unbedingt die leute, die statt spanisch lieber einen salsa kurs machen und dann in den casas de la musica der insel untertauchen ;-) buena vista zeigt den son und da ich statt salsa lieber spanisch gelernt habe, haben wir halt den text eines der bekanntesten lieder des son gelernt und versucht zu verstehen: chan chan. ich glaube es verging auch kein tag, an dem ich das lied nicht gehört habe während der reise. in einer bar, auf der straße, im taxi, irgendjemand, der gesungen hat.

eine der besten bars war, an einem der ersten abende, in havana vieja, in der altstadt von havanna, das lluvia de oro. wir sind eigentlich reingestolpert, weil wir die bar, die uns empfohlen wurde, nicht gefunden haben. eine fantastische band, viele tänzer, sehr leckere mojitos [alte männliche touristen mit jungen cubanerinnen- die umgekehrte variante gab es auch, in anderen bars…], einer von den abenden, wo man nicht möchte, dass sie aufhören, sie sollen einfach weitergehen… dummerweise gingen wir weiter, ins hotel florida, das wir dann doch noch fanden. und bitterlich enttäuscht sind s. und ich nach einem halben (!) mojito schon wieder raus und haben t. sitzen lassen…

trinidad

geniale musik gab es in trinidad, sehr viel open air, eine wunderbare casa de la musica, eine noch tollere casa de la trova (in der sich plötzlich die beiden italiener auf der tanzfläche drehten, die wir aus der sprachschule kannten…), warme abende, traumhaft renovierte bunte häuser, musiker ganz ohne infrastruktur. cds verkaufen sie übrigens alle, meist kopien für relativ teures geld…


denn bei allem charme darf man doch wie immer in cuba den ernsten hintergrund nicht vergessen: es gibt kaum materielle güter, nach denen ein cubaner ernsthaft streben könnte, über die er sich gedanken machen könnte. oft leben 3 generationen in einem kleinen haus zusammen. bei diesen faktoren- was bleibt einem da übrig, als gemeinsam musik zu machen, zu tanzen, durch die musik das tägliche elend zu vergessen. oder die chance ergreifen, für die touristen spielen und nach 7 oder 8 liedern ein paar münzen einsammeln und cds verkaufen.

glücklicherweise sind son und salsa keine reine touristen-shows, wenn auch viele cubaner genauso viel reggeton (wie schreibt man das…) oder andere moderne latino musik hören und dazu tanzen.

und zurück im grauen nassen europäischen november, da müssen nur die ersten paar töne von chan chan erklingen und im kopf bin ich sofort wieder auf der großen treppe in trinidad oder im lluvia de oro in havana vieja oder im fresa y chocolate in vedado… mit einem mojito im plastikbecher…



November 18, 2009
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strände wie aus dem bilderbuch gibt es in cuba! genau so, wie man sich die karibik vorstellt!

santamariadelmar

den 20-kilometer-all-in-strand von varadero habe ich nicht gesehen, dafür aber einen kleinen feinen etwas außerhalb von havanna, in santa maria del mar. palmen, blau-türkises wasser, putschelwarm natürlich mit wellen gerade so hoch, dass einem das rumliegen im wasser nicht langweilig wird. erfreulich wenige strandverkäufer, die einem sonnenbrillen oder uhren andrehen wollen. eine bude, die kaltes bier zum wucherpreis verkauft und die zwei jungs arbeiten da auch nur, um den touristen mädels von oben in den bikini zu gucken (nach einer relativ repräsentativen umfrage bekommen kurvige, gut genährte mädels deutlich mehr blicke und aufmerksamkeit als magere bohnenstangen…).

trinidad, cuba



und dann gabs da auch noch den strand bei trinidad, zu dem wir mit einem segelboot gefahren sind (das segel war aber kaputt- eso es cuba!). das schnorchelriff hat auch nur die leute beeindruckt, die zum ersten mal unter die wasseroberfläche geguckt haben, alle anderen, die vielleicht tahiti oder australien kennen, naja, lassen wir das thema. die insel, auf der wir dann waren, die war wirklich perfekt, mit wunderbarem sand, spielendenmalecon, havanna leguanen (der ein oder andere twitterer mag sich an mein profilfoto erinnern, auch wenn es bei euch ja gar nicht gut ankam…)

in der innenstadt von havanna direkt gibt es keinen strand, dafür aber den berühmten malecon- die kilometerlange promenade am wasser, die abends treffpunkt für alle und jeden ist. berühmt ist der malecon für die typischen bilder von riesigen wellen, die über die mauer auf die straße schwappen- und solche bilder konnte ich zum glück am letzten tag noch zur genüge machen.



November 16, 2009
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in den schwärzesten stunden meines offline daseins, in nicht enden wollenden wartezeiten an kubanischen busstationen, habe ich im geiste so viel blog einträge über cuba geschrieben- und was ist dabei rausgekommen? leider hat einen das wahre leben nach einem urlaub dann doch viel zu schnell wieder, und statt endlich mal von cuba zu erzählen, koche ich suppe, sitze an krankenbetten, versuche ich google wave zu lernen, plane ich eine alpenüberquerung.

grr, und zwischen dem letzten satz und jetzt ist auch schon wieder eine halbe stunde vergangen, weil ich so vertieft in einige einträge in meinem feed reader war. und heute abend wieder mal fast nix geschafft habe von dem, was ich eigentlich machen wollte. aber trotzdem ganz kurz ein tipp für cuba:

fahrt im oktober/ november!

offiziell ist es zwar noch die hurrikan zeit, aber das heißt nur, dass da was sein kann aber nicht muss. von den 13 tagen hat an 12 tagen die sonne geschienen, meistens den ganzen tag. abends hats zwei mal geregnet und den 13. tag eigentlich den ganzen tag, weil da – in einem anderen teil der karibik- tatsächlich ein sturm unterwegs war. ansonsten das perfekte programm für einen deutschen herbst, viel sonne, viel wärme aber nicht zu stickig oder schwül, blühende bäume, immer flipflops und dünne kleidchen und nur abends hängt man sich die berühmte leichte jacke mal so über die schultern (die man aber für die klimaanlage bei busfahrten IMMER dabei haben sollte…).

die hauptsaison in cuba und im rest der karibik geht aber erst im dezember los, deswegen waren flug, unterkunft und sprachschule noch billiger und es war relativ wenig los. es haben sich nur kleine massen durch die gassen von havana vieja, der altstadt, geschoben. bei den casas particular konnte man einfach anklopfen und nach einem bett fragen, es war immer was frei (wenn nicht in genau dem haus, dann bei den nachbarn). und bei den bussen gibts tatsächlich auch platz, und das kann in der hauptsaison tatsächlich zum problem werden, glaube ich, wenn man nur eine begrenzte zeit hat.

beispiel die busstrecke santa clara- havanna. es gehen 3 busse von viazul am tag. der bus kommt aber von santiago de cuba, hat also schon passagiere geladen, wenn er in santa clara ankommt. 2 plätze in dem bus sind für einsteiger in santa clara reserviert. man gehe also am tag vor der fahrt (das gilt für november) in ein reisebüro oder in die bahnstation und versuche einen dieser plätze zu reservieren. wenn die schon belegt sind, gibts nur eins: auf gut glück zur busstation und hoffen. in unserem fall hieß das: morgens um 7 zur busstation. dort wird der name auf eine liste geschrieben, dann wartet man bis 10 minuten vor abfahrt des busses! in dieser zeit (so scheint mir…) telefoniert der busstationsmanager mit dem busfahrer und zählt die leeren plätze durch. und die in santa clara wartenden werden dann der liste nach von oben nach unten auf diese plätze verteilt.busticket

der bus am 6. november war nicht ganz voll als wir nach havanna eingefahren sind, und alle 7 leute in santa clara kamen mit. wie das in der hauptsaison ist- mit sicherheit riskanter. spanisch sollte man dafür auch können. denn der busmanager unterhält sich gerne mit den potenziellen fahrgästen- mir schien fast, er vergibt die plätze nach sympathie… für den bus braucht man wie gesagt einen warmen pulli und ohrstöpsel- oder man wird gnadenlos mit lauten videos vollgemüllt. kubaner trifft man bei viazul übrigens nicht, die können sich die 18 CUC zwischen santa clara und havana nämlich nie im leben leisten, das ist etwa ein monatslohn, der ihnen aber in einer anderen währung ausgezahlt wird und ihre CUC brauchen sie für spülmittel. aber das ist ein anderes thema.

als kleines schmankerl zeige ich euch noch, wie kubanische bustickets aussehen (hm jetzt ist das foto wieder am artikel ende, zerschießt es mir jetzt wieder das ganze blog? ehrlich gesagt ist es mir gerade egal, ich will jetzt gleich schlafen gehen und werde notfalls morgen reparieren ja, leider tut es das, deswegen habe ich das foto ein paar absätze hoch geschoben, passt nicht mehr so in den kontext, aber das ist mir nun wirklich egal).